Untergräbt CSR Eingentumsrechte? Stakeholderdialog missverstanden!

Gepostet von am 14.03.2012 in CSR Kommunikation, CSR Strategie | Keine Kommentare

Kürzlich bin ich auf einen Blogartikel gestoßen mit der interessanten Überschrift “CSR unterwandert Privateigentum und Freiheit”. Den Artikel finden Sie hier.

Der Autor leitet ausführlich her, weshalb CSR falsch verstandener Konsens ist, der nicht zuletzt die unternehmerische Freiheit untergräbt. Dass der Autor im Hauptberuf Referent beim BDI ist, lässt auf die gedankliche Herkunft und Schule schließen und ordnete meine Verwunderung über die Argumentation auch entsprechend ein.

Ein zentrales Element des Artikels ist ein Schlagwort, das in der aktuellen CSR-Diskussion derzeit alles beherrschend ist: Stakeholderdialog erweitert um die Floskel “License to operate”.

In der Darstellung des Autors könnte der weniger bewanderte Leser sehr leicht herauslesen, dass Unternehmen nach dem Willen der CSR-Jünger zukünftig so ziehmlich jede Gruppe um Erlaubnis bitten müssen, weiter geschäftlich tätig zu sein.

Das es hier nicht weit her ist, mit dem Verständnis und der Kenntniss des CSR-Gedankens offenbart sich an der Stelle sehr schnell, dass der Autor bei der wörtlichen Übersetzung der “License to operate” hängen bleibt und diese nicht richtig interpretiert.

Stakeholderdialog bedeutet in keiner Weise das Unternehmen Genehmigungen einholen müssen für irgendetwas. Weiteres dazu entnehmen Sie meinem Kommentar weiter unten, den ich auch im Blog hinterlassen habe.

Ergänzen möchte ich hier noch einen weiteren Gedanken. In der Darstellung des Autors wird eine sehr grundlegend falsche Einstellung zu offeneren und transparenten Prozessen in der Unternehmensführung und Kommunikation sichtbar.

Das Verständnis, dass Dialog mit und die Intergration von Stakeholdern Chancen auf Know-how Gewinn, Innovation und Risikominimierung bedeuten, ist hier im Bereich CSR kaum ausgeprägt. Stakeholderdialog kann dabei nahe, wenn nicht sogar deckungsgleich sein mit Bereichen, die weit weniger umstritten und vor allem schon lange erfolgreich von Unternehmen jeder Größe betrieben werden, wie Marktforschung, OpenInnovation, Crowdsourcing etc.

Es ist ärgerlich, aber sicher auch Versäumnis der Treiber von CSR in Politik und Öffentlichkeit, dass die Chancen des CSR-Prozesses offenbar noch immer zu wenig deutlich sind.

Da hilft auch die leider immer noch von kritischen NGOs gewählte Gut-Gegen-Böse Strategie oder auch die alleinige Forderung nach weitereren Pflichten nicht weiter, die nicht zuletzt bei den Lobbyisten reflexartige Gegenwehr produzieren. Hier könnte mehr kooperatives Vorgehen dem gesamten Nachhaltigkeits- und Verantwortungsgedanken deutlich weiter voranbringen.

Was ist Ihre Meinung? – Freue mich auf Kommentare und die Diskussion

Hier mein Kommentar:

Sehr geehrter Herr Dr. Sprich, hier einen abwägenden Artikel zu finden, kann ich leider nicht bestätigen. Es gelingt Ihnen nicht wirklich sich von der Denkweise zu lösen, die seit vielen Jahrzehnten die kritische CSR-Behandlung bestimmt und wie Sie auch bei den Stellungnahmen Ihres Arbeitgebers immer wieder herauszulesen ist.

Sie missverstehen das Prinzip des Stakeholder-Dialogs vollkommen und reagieren reflexartig in liberaler Manier mit dem “Rettet die Freiheit-Ruf” und dem “Belasteter Unternehmer Habitus”.

Stakeholderdialog meint keineswegs, dass irgendein Unternehmen irgendwen um Erlaubnis für irgendetwas bitten muss. Und CSR als zusätzliche unnötige Pflicht/Gefahr dazustellen, entspricht auch nicht dem modernen CSR-Verständnis nach langjähriger Forschung und Praxis.

Sie blenden, aus welchen Gründen auch immer, sich wandelnde Gesellschafts- und Kommunikationsstrukturen aus und ziehen ggf. positive und chancenorientierte Sichtweisen nicht ernsthaft in Erwägung. Die Unternehmens- und auch Lebensrealität (Kunden/Gesellschaft/Umwelt) ist aus vielfältigen Gründen nicht mehr die, die es noch vor 5 oder 10 Jahren gab. CSR heißt in erster Linie aktiv Chancen und Innovation zu suchen, Kunden und Mitarbeiter zu motivieren und Risiken zu minimieren und das Wichtigste: Einen messbar positiven Wertbeitrag für das Unternehmen zu generieren – all das schützt das Unternehmer/Shareholder-Eigentum. Es geht bei CSR nicht um falsch verstandenen Konsens oder Gutmenschentum – sondern um kluge Unternehmens- und Kommunikationsstrategien.

Disclaimer: Der Autor ist als Unternehmensberater für CSR tätig.

Die besten Grüße

Riccardo Wagner

Riccardo Wagner

Jhg. 1974, Studium der Geschichte (B.A.), Literaturwissenschaft und Politik und Studium Unternehmenskommunikation (M.A.). staatl. gepr. CTA, Staatl. gepr. Bankkaufmann und Volontariat als Finanz- und Wirtschaftsjournalist. Autoren-, und Redakteurstätigkeit für mehrere renommierte Verlagen und Medien, Chefredakteur im Bereich TV-& Multimediaproduktion. Qualifizierung bei der Deutschen Akademie für Public Relations zum gepr. PR-Berater, Leiter Arbeitskreis CSR der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) und des Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik, Prüfer zur PR-Beraterprüfung und Social Media Manager Prüfung (PZOK), zertifizierter Unternehmensberater (IBWF), Lehrbeauftragter für Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Fachhochschule des Mittelstandes.

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